Meditation mit Blick auf die Berge

Mittendrin: Yoga Vidya Allgäu in Maria Rain (Bild: Monika Mergele)

Mittendrin: Yoga Vidya Allgäu in Maria Rain (Bild: Monika Mergele)

Seit gestern bin ich wieder zurück aus dem Allgäu, zwölf Tage war ich zu Gast im Ashram von Yoga Vidya in Maria Rain im Allgäu.

Die Tage begannen früh um 6 Uhr, glücklicherweise bin ich morgends immer recht fix und so klingelte der Wecker immer um 5.30 Uhr. Und jeden Morgen beim aufstehen die Frage „Warum mach ich im Urlaub sowas freiwillig?“. Aber spätestens als ich auf meinem Kissen für die erste Meditationssitzung wusste ich warum. Es lohnt sich Zeit für eine Innenschau zu nehmen.

Die morgendlichen Meditationen waren angeleitet, neben meiner üblichen Meditationspraxis durfte ich neue passive (sitzende) Techniken wie die Energiemeditation, Eigenschaftsmeditation, Sakshi Bhava, Mantra-Meditation oder auch Tratak (Lichtmeditation) und einige andere kennen lernen. Weiter ging es dann im Programm um 7 Uhr mit dem sogenannten „Satsang“ der mit einer freie Meditation nach eigener Technik startet und dann mit Mantra-Singen und einer Lesung abschließt.

Tagesablauf

Während der Schweige-Woche hatten wir als Gruppe danach von 8-9 Uhr einen Vortrag, anschließend gab es zwei Stunden Yoga. Die Yogastunden waren meist meditativ und für alle Levels, ich hatte leider immer wieder Schwierigkeiten richtig in Schwung zu kommen und warm zu werden. Der große Yogaraum bietet einen traumhaften Blick auf die Berge, hier kann man die Sonne über den Gipfeln emporsteigen sehen, ein beeindruckender Anblick.

Essen

Essen gibt es viel und reichlich in Buffet-Form, besonders auf den Brunch um 11 Uhr habe ich mich immer riesig gefreut. Vom Müsli, Haferbrei, Obst, Salaten bis hin zu warmen Gerichten ist hier alles zu finden. Natürlich vegetarisch oder vegan, selbst gekocht und ausschließlich mit Produkten in Bio-Qualität. Bei schönem Wetter kann auf dem großen Balkon in der Sonne mit Blick auf die Berge gegessen werden.

Mit Blick auf die Berge: Yoga Vidya Allgäu in Maria Rain (Bild: Monika Mergele)

Mit Blick auf die Berge: Yoga Vidya Allgäu in Maria Rain (Bild: Monika Mergele)

Nach dem Essen gibts ein längere Mittagspause die ich meist für ausgiebige Spaziergänge genutzt habe. Nicht nur bei Sonne zog es mich zur nahe gelegenen Panoramaliege von der man bei gutem Wetter einen Blick bis zur Zugspitze hat.

Das Nachmittagsprogramm ging dann mit einer längeren Meditationssitzung weiter, zwei Stunden am Stück. Meist saß ich sehr gut auf meinem Kissen und konnte den Flow nutzen, es gab aber immer auch das Angebot kurz mit einer Gehmeditation zu unterbrechen und Rücken und Beine etwas zu entlasten. Der Körper ist sicher immer die Größte Herausforderung, doch außer Knieschmerzen an Tag zwei hatte ich glücklicherweise keine Beschwerden was absolut nicht selbstverständlich ist, schließlich sitzt man locker sechs Stunden am Tag ohne Möglichkeit anzulehnen mit möglichst geradem Rücken frei auf dem Meditationskissen.
Der Nachmittag wurde nochmals mit zwei Stunden Yoga (meist etwas fordernder als Vormittags) beschlossen bevor es dann Abendessen und eine anschließende Pause gab.

Um 20 Uhr gab es den abendlichen Satsang wieder mit einer freien Meditation und zum Schluss des Tages einen kleinen Kurzvortrag mit Meditation in der Gruppe. Um 22 Uhr bin ich nach Programmende meist nur noch ins Bett gefallen. Der Wecker klingelte ja auch schon wieder früh am nächsten Morgen.

Warum meditieren – eine Sehnsucht

Meditation ist eine hervorragende Möglichkeit den Geist zur Ruhe zu bringen. Je besser das gelingt, desto größer ist das Einheitsgefühl dass entstehen kann. Das „ich“ und die Umgebung lösen sich auf und es gibt nur noch ein großes Ganzes.

Du hast es bereits. Du kannst es nur nicht fühlen, weil dein Verstand soviel Lärm macht.
Eckhart Tolle

Ich praktiziere seit nun fast drei Jahren täglich von Zeit zu Zeit wechselnde Meditationstechniken, die Tage im Allgäu waren somit eine inspirierende Möglichkeit mich theoretisch näher mit dem Thema zu befassen und auch
länger als mit das im Alltag möglich ist zu meditieren.
Jeder Tag hatte einen inhaltlichen Schwerpunkt, so gab es in den verschiedenen Meditationssitzungen mit unterschiedlichen Anleitungen einen Tag lang die Möglichkeit eine Technik auszuprobieren. Auch wenn der Schwerpunkt aus Techniken aus dem Yoga lag, dem Meditationsleiter gelang es immer wieder auf faszinierende Art und Weise den Kontext zum christlichen Kontext (Eckhart Tolle, Jesus, Meister Eckhart, verschiedene Mystiker) herzustellen. Meditationen wurden somit entweder mit inspirierenden Texten, Mantras oder einfach nur einem Gong eingeleitet.

In den vergangenen zwölf Tagen wurde bei mir eine noch größere Sehnsucht geweckt tiefer ins Thema einzusteigen.
Die zweite Woche war gleichzeitig als Schweigewoche gestaltet, dies einzuhalten ist mir deutlich leichter gefallen als gedacht. In vielen Situationen war es fast schon befreiend nicht ins plappern zu kommen und auch mal nichts sagen zu dürfen.
Somit ist die Frage nicht ob sondern wann und wie ich wieder zu einem Meditationsretreat fahren werde. Und ich bin mir sicher es wird nicht allzu lange dauern. Und auch wenn ich mich hier vielleicht nicht für den Ashram im Allgäu entscheiden werde, auch dorthin komme ich auf jeden Fall wieder. Bis dahin freue ich mich jeden Morgen auf mein Kissen und die Zeit nur für mich.